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190. Geburtstag der Brailleschrift (04.01.2015)

Am 04. Januar ist Welt-Braille-Tag. Hier wird der Brailleschrift, die 1825 von dem Franzosen Louis Braille entwickelt wurde, gedacht. Es handelt sich um eine Schrift für Sehbehinderte und Blinde, die aus ertastbaren Punkten besteht. Jede Punktekombination steht dabei für einen Buchstaben, ein Satzzeichen oder eine Zahl.

Im Jahr 2015 feiert die Brailleschrift ihren 190. Geburtstag. Anlässlich dieses Datums haben wir ein Interview mit Frau Sabine Lohner vom BSBH (Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen e. V.) geführt. Sie nutzt die Brailleschrift seit ihrer Kindheit regelmäßig, liest gerne vor und unterrichtet sie für späterblindete Erwachsene und sehende Menschen. Das Interview für Perfectrix führte Isabel Lang.

 

Perfectrix: Die Brailleschrift gibt es nun seit 190 Jahren. Inwiefern hat sich durch ihre Erfindung die Situation von Blinden und Sehbehinderten in Deutschland geändert?

Sabine Lohner: Die Brailleschrift ist eine elementare Kulturtechnik und hat eine sehr hohe Bedeutung für blinde Menschen. Sie ermöglicht Bildung, Zugang zu Information, berufliche Qualifikation, trägt zur Selbstständigkeit und Inklusion bei. Sie hat einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben. Ich nutze privat, beruflich und für meine ehrenamtliche Tätigkeit eine Braillezeile, die mir am PC Texte in Brailleschrift wiedergibt. Ich lese sehr gerne in Brailleschrift gedruckte Bücher. Obwohl es auch Hörbücher gibt, ziehe ich jedem Hörbuch das Braillebuch vor. Ich lese gerne vor (siehe Tour de Braille 2009). Beschriftungen in Brailleschrift auf Medikamentenpackungen und auf Produkten tragen zur Selbstständigkeit von blinden Menschen bei. Es freut mich sehr, wenn die Bedeutung der Schrift auch von Unternehmen erkannt wird. So gab es zur Adventszeit z. B. drei Adventskalender mit Brailleschrift (von Hussel, Lauensteiner und Kampmann). Über ein solches Engagement freue ich mich sehr. Mir ist es wichtig, die Brailleschrift an Späterblindete zu vermitteln, über ihren Nutzen zu informieren und somit dazu beizutragen, dass blinde und sehbehinderte Menschen ein eigenständigeres Leben führen können. Oft lesen späterblindete ältere Menschen, die die Schrift bei mir gelernt haben, keine Bücher, da es viel Übung benötigt, um ein flüssiges Lesetempo zu erreichen. Es ist ihnen aber möglich, sich wiederselbständig Notizen zu machen, diese selbst zu lesen, Alltagsgegenstände, wie Gewürze oder die CD-Sammlung zu beschriften, Informationen auf Medikamentenpackungen zu lesen usw.

Perfectrix: Ist die Brailleschrift eine weltweit verwendete Schrift?

Sabine Lohner: Für fast jede auf der Welt oft geschriebene Sprache gibt es eine Brailleschrift. Erläuterungen dazu finden Sie hier http://www.dbsv.org/infothek/tour-de-braille/brailleschrift/blindenschrift-heute/braille-international/ .

Perfectrix: Wie verhält es sich bei ganz anderen Formen der Schriftsprache, wie z. B. Chinesisch, das nicht auf Buchstaben basiert, sondern ganze Wörter abbildet. Kann die Brailleschrift hier eingesetzt werden oder hat sich hier eine ganz andere Form der Schrift entwickelt?

Sabine Lohner: Alle Sprachen müssen mit den 64 möglichen Zeichen der Brailleschrift auskommen. Allerdings stellt die Brailleschrift beispielsweise im Chinesischen die Laute und nicht die Bedeutung der Schriftzeichen dar.

Perfectrix: Im Internet finden sich zahlreiche Informationen zu Büchern in Brailleschrift. Es gibt Möglichkeiten, die gedruckte lateinische Schrift oder elektronische Kommunikation und Daten in Brailleschrift zu „übersetzen“. Wie viele Bücher sind in Brailleschrift erhältlich?

Sabine Lohner: Leider ist aus Kostengründen nur ein Bruchteil von Büchern in Brailleschrift erhältlich. Im Jahr werden mittlerweile ca. 600 Titel in Braille übertragen.

Perfectrix: Dauert es länger ein Buch in Brailleschrift zu lesen als in gedruckter lateinischer Schrift?

Sabine Lohner: Nein. Entscheidend ist das Lesetempo unabhängig davon, ob Braille oder Schwarzschrift verwendet wird. Von Vorteil für die Geschwindigkeit ist es, ein Buch in Braillekurzschrift zu lesen. Die Schrift, das Schriftsystem selbst zu lernen ist nicht schwierig. Viel Übung erfordert das  Ertasten der Punkte.

Perfectrix: Herzlichen Dank für das Interview!


 

Der Reformationstag und die deutsche Sprache (31.10.2014)

Ein bedeutendes historisches Ereignis

Am 31.10.2014 wird in Deutschland der Reformationstag gefeiert und damit einem wichtigen historischen Ereignis gedacht. Es wird überliefert, dass der Reformator Martin Luther (1483-1546) am 31.10.1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Eigentlich wollte er damit zu einer akademischen Disputation aufrufen, zugleich läutete er jedoch den Beginn der Reformation ein – und diese hatte nicht nur fundamentale Auswirkungen auf die religiöse Landschaft in Deutschland, Europa und sogar weltweit, sondern auch auf die deutsche Sprache.

Martin Luther und die deutsche Sprache

Martin Luther war Theologieprofessor, ehemaliger Augustiner-Mönch, Autor zahlreicher theologischer Werke, Urheber der Reformation – und Bibelübersetzer. Obwohl bereits vor Luther und dem Zürcher Reformator Huldrych Zwingli (1484-1531) Übersetzungen von Bibeltexten angefertigt wurden, war es doch die Übersetzung Martin Luthers, die die Bibel in deutscher Sprache in Deutschland verbreitete und populär machte. Der Reformator ging in seiner Übersetzung zurück zum griechischen und hebräischen Urtext der Bibel und auch heute noch nimmt das Erlernen des Hebräischen des Alten Testaments und des Griechischen des Neuen Testaments einen wichtigen Platz im Rahmen des Theologiestudiums ein. Seine Überzeugung, dass jeder Christ die Schrift lesen sollte und die Auffassung vom Priestertum aller Gläubigen (ohne einen Mittler zwischen ihnen und Gott), bildeten eine theologische Grundlage für den Zugang aller Menschen zur Bibel.

Für die Verbreitung der Bibel spielte auch die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (um 1400-1468) eine entscheidende Rolle. Erst durch Gutenbergs Erfindung des Drucks mit beweglichen Metalllettern und der Druckerpresse war es möglich, die Bibel und andere Bücher und Schriften überhaupt in Massen zu drucken und zu verbreiten.

Das Land Deutschland, wie wir es heute kennen, existierte zur Zeit Luthers und Gutenbergs nicht. An seiner Stelle fanden sich zahlreiche Kleinstaaten, was nochmals zu einer großen Sprachvielfalt beitrug. Martin Luthers Bibelübersetzung hat die deutsche Sprache und zahlreiche Sprichwörter und Wendungen derselben entscheidend geprägt und vereinheitlicht.

Autorin: Dipl.-Theol. Isabel Lang, M.A. (E-Mail: isabel.lang@perfectrix.de)